Ansprechpartner:innen des AK Figurentheater und Pädagogik sind
Alice Therese Gottschalk
fab-theater@gmx.de
Petra Albersmann
post@petra-albersmann.de
Seit seiner Gründung hat sich der Arbeitskreis erfolgreich dafür eingesetzt, die Verbindung zwischen Figurentheater und pädagogischer Arbeit zu stärken. Mit der Entwicklung und Betreuung einer bisher einzigartigen Plattform für Figurentheaterpädagogik ist ein Meilenstein auf diesem Gebiet gesetzt worden. Durch engagierte Mitglieder und aktive Kooperationen konnten zahlreiche pädagogische Figurentheaterprojekte ins Leben gerufen und unterstützt werden. Der Arbeitskreis Figurentheater und Pädagogik will das Figurentheater als wertvolles und bereicherndes Medium in der pädagogischen Arbeit etablieren und seine Bedeutung in Bildungseinrichtungen und der Gesellschaft insgesamt fördern. Der Arbeitskreis ist damit wichtige Anlaufstelle und Inspirationsquelle für alle, die das Figurentheater als Mittel nutzen möchten. Der Arbeitskreis fungiert außerdem als Netzwerkknoten für den Austausch von Ideen, Erfahrungen und Best Practices unter pädagogisch tätigen Figurenspieler:innen.
Sprechen Sie uns gern an!
Durch die Animation unterschiedlichster Materialien wie Papier, Tuch, Sand, aus Schatten, Figuren, Objekten, Masken, Marionetten, Handpuppen bis hin zu Robotern entstehen abstrakte oder konkrete Spielfiguren. Wir beleben als Spieler:innen die Figur, bestimmen das spielerische Geschehen und sind zugleich Beobachter:innen. Figurentheater ist ein Gemeinschaftserlebnis, bei dem jede:r für sich und trotzdem Teil der Gemeinschaft sein kann.
Universell, zeitlos … in jede:r und jede:m von uns steckt auch das Wissen um die Wirkung des Figurentheaters. Seit der Vorgeschichte und der Antike haben Menschen menschliche und tierische Darstellungen gefertigt und in Bewegung gebracht. Die Kunst des Figurenspiels ist universell. Von den Riten des Mittelalters bis zu den Spielen der Kindheit ist sie ein fester Bestandteil der menschlichen Entwicklungsgeschichte.
Die animierten Materialien/Objekte/Figuren spielen auf der ganzen Welt kulturelle und soziale Rollen: unterhalten, überraschen, erziehen, manipulieren, träumen …
Die Kunstform hat ihre Wurzeln in den großen Gründungsgeschichten: Mythen über die Erschaffung der Welt, Geschichten über Götter und Helden. Das Figurentheater pendelt je nach Kultur zwischen Ritual und Spektakel.
Das Figurenspiel erzählt die Welt auf viele Arten. Es passt sich der Vielfalt des Publikums an, um Menschen zum Lachen zu bringen, eine Botschaft zu übermitteln oder zu provozieren.
Diese Vielfalt spiegelt sich auch in der Wahl ihrer Ausdrucksmittel wieder; alles kann Darsteller:in sein: das Holzstöckchen, die Kaffeekanne, die gestaltete Theaterfigur bis zum digital animierten Computerarm. Die Beziehungen, die das Material/Objekt/die Figur zu den menschlichen Darsteller:innen haben kann, sind genauso vielfältig.
Woran liegt es, dass sich Kinder und Erwachsene gleichermaßen von Figurentheater faszinieren lassen? Von toter Materie; denn mehr ist es ja nicht, was da vorgibt, zu leben: ein Häuflein zusammen gestutztes Material. Und dieses immer wieder neu erwachende Leben unterliegt nur einer Regel: Tu so, als ob!
Wird diese Regel befolgt, dann agiert diese Materie plötzlich in ihrer kleinen Welt. Sie wird lebendig, handelt, spricht, leidet – und verdichtet mit ihrem Spiel kleine und große Zusammenhänge des Lebens und der Welt. Das Material wird zum Charakter und zur Persönlichkeit. Doch nur, solange ein:e Spieler:in es hält!
Zieht diese:r sich zurück, erleben die Zuschauenden den glaubhaftesten Bühnentod. Keine Schauspieler:in, noch so gut in der Rolle eines Sterbenden, könnte diesen auch nur annähernd darstellen. Denn er oder sie würde den Tod – gleich wie – nur spielen. Doch die Figur ist tot. Ganz und gar. Somit vereint dieses Medium in sich gleichzeitig Leben und Tod wie kein anderes. Und kann genau das auch vermitteln.
(frei zitiert nach P. K. Steinmann aus „Figurentheater- Reflexion über ein Medium“ und „Die Theaterfigur auf der Hand“)
Als Mitglieder des Arbeitskreises haben wir die durch jahrelange, teils jahrzehntelange Erfahrung erleben dürfen, dass das Medium Figurentheater in jeglicher Form ganzheitlich auf die Entwicklung des Menschen einwirkt. Es fördert:
Diese Entwicklung lässt sich jedoch weder planen noch voraussehen. Je absichtsloser diese Kunstform eingesetzt wird und Kindern Raum zum spielerischen Entdecken bietet, desto eher besteht die Möglichkeit, dass sich das Individuum in eben diesem Raum frei entfalten und entwickeln kann. Ebenso verhält es sich im therapeutischen Zusammenhang, in dem das Figurenspiel mehr und mehr eingesetzt wird.
Gerald Hüter sagt dazu:
„In einem Puppentheater kriegt jeder, nicht nur der Puppenspieler, sondern auch vor allem der Zuschauer das Gefühl, er sei der Konstrukteur der Geschichte. Weil es nicht so realistisch ist, weil man es selber denken muss, was passiert, weil man Vorstellungskraft braucht. Damit erlebt sich in einer solchen Gemeinschaft von Zuschauern jedes Kind, jeder Teilnehmer als Gestalter, als Subjekt, als autonom.
Gleichzeitig erleben sie wie andere den gleichen Gestaltungsprozess in ihrem Hirn durchlaufen. Das schafft ein Gefühl von Verbundenheit und Glück in dieser Gemeinschaft, dass man sich da auch noch geborgen fühlt.“
(Symposium 2019 „Die menschliche Vorstellungskraft – Puppenspiel und Neurologie“, Unima Deutschland e. V., Notebook 3.18)
Bei allem Einsatz von Figuren und Figurentheater ist es uns wichtig und erscheint uns unerlässlich, das Kind in seinem jeweiligen Entwicklungsstand als fertige Persönlichkeit anzusehen ganz im Sinne P. K. Steinmanns:
„Das Kind steht im Mittelpunkt des Figurentheaters, ist sozusagen Maßstab und Kriterium. […]
Bis zum 12. Lebensjahr durchlaufen Kinder drei Phasen: Wahrnehmung – Analyse – Reproduktion
bis zu 3 Jahren: Phase des Erkennens als Voraussetzung zur Wahrnehmung (z. B. Umwelt, eigene Extremitäten, Stimme etc.)
bis zu 6 Jahren: Erkennen und speichern ( Formulierungsversuche, Fragen, Umwelterweiterung über häuslichen Rahmen hinaus)
bis zu 8 Jahren: Speichern (z. B. Schule, Bücher, Begegnungen)
bis zu 10 Jahren: Speichern und Analyse (Herstellen von Gedankenverbindungen; Ziehen von Schlüssen, Nachvollzug von Gedankenverbindungen)
All das als Voraussetzung für die Reproduktion.
Somit ist jede Begegnung des Kindes mit (Figuren)theater lehrhaft, also pädagogisch.“
(Auszug aus P. K. Steinmann, „Figurentheater – Reflexion über ein Medium“; S. 84-85)
Hier stellen wir Ihnen einige Anleitungen zum Download bereit, die Sie anregen sollen, selbst Techniken des Figurentheaters in ihre pädagogischen Tätigkeit zu integrieren.