Spanische Puppenspieler von Gefängnis bedroht

Alfons und Raul – zwei spanische Puppenspieler – sitzen derzeit im Gefängnis, ohne die Option gegen eine Kaution entlassen zu werden. Anklage: „Die Ermutigung/Empfehlung zum Terrorismus“ in einer Puppenshow! Jeder, der „Don Crystobal“, die spanische Version des italienischen „Pulcinella“, englischen „Punch & Judy“ etc. kennt, weiß, dass der anarchistische Clown niemals zu Gewalt aufruft! Er hilft, auf gesunde Art und Weise unsere Gesellschaft zu reflektieren und darüber zu lachen, mit einer großen Liebe zum Leben und zur Freiheit und mit einer totalen Respektlosigkeit gegenüber Normen und Tabus. Man muss die Show nicht sehen oder mögen, aber verhaftet bitte nicht die Puppenspieler!!

Zur weiteren Erläuterung des Vorfalls:
Die zwei jungen spanischen Puppenspieler Alfónso Lazaro de la Torre und Raul Garcia Pérez verbringen nun schon ihren fünften Tag im Madrider Gefängnis.
Um zu verstehen, warum die Puppenspieler gefangen genommen wurden, ist es wichtig, die politische Landschaft in Madrid zu kennen.
Die Situation zwischen den Parteien des rechten und linken Flügels ist sehr angespannt und radikal. Mitglieder der Parteien des rechten Flügels kämpfen mit harten Bandagen gegen die linke Partei, die die Stadt regiert. Es sieht so aus, als ob die Puppenspieler Bauernopfer eines sehr komplexen politischen Kampfes geworden sind, dieses Puppendebakel somit als Ablenkungsmanöver scheint, das der rechte Flügel braucht, um von seinem eigenen Verhalten abzulenken.
Die Puppenspieler waren von der Stadt gebucht worden, um beim Madrider Karneval diese besondere Version des traditionellen „Don Christobal und die Hexe“ zu zeigen. Die Geschichte wurde erstmalig vom spanischen Dramatiker des 20. Jahrhunderts, Federico Garcia Lorca aufgeschrieben. Diese Charaktere von Punch und Judy (Kasper und Grete) sind sehr anarchistisch und radikal und nicht für Kinder geeignet. Das haben die Puppenspieler offensichtlich ihrem Publikum gesagt, bevor die Vorstellung letzten Freitag in den Straßen von Madrid begann. Die Kontroverse begann, als eine der Puppen ein ‚ETA‘-Poster in der Vorstellung hochhielt. Offensichtlich wurde dieses Poster von den Polizei-Charakteren genutzt, um die Hexe hereinzulegen – ein unschuldiger und törichter Versuch die „Hexe“ ins Gefängnis zu bekommen.
Einige Zuschauer haben die Polizei angerufen. Im Moment sind die Gründe unklar. Vielleicht liegt es an den unterschiedlichen politischen Ideologien, vielleicht wurde auch der satirische Plot nicht verstanden oder die Sprache war nicht verständlich genug, denn die Spieler benutzen eine Art Pfeife, die die Stimme verändert.
Der spanische Richter warf die Puppenspieler, ohne eine Option auf Kaution, sofort ins Gefängnis – ironischerweise genau wie in der Vorstellung, die gespielt wurde – so als ob die gespielte Szene nun im „wirklichen Leben“ weitergeht. Dass der Richter das Spiel so ernst nimmt, ist schon rätselhaft. Es scheint so, als würde man Kasper dafür gefangennehmen, dass er sein Baby umbringt – und das hat er ja schon über hunderte von Jahren immer wieder getan.
Gary Freedman

WIE WIR HELFEN KÖNNEN:
1. Unterzeichnet die Petition:

https://www.change.org/p/audiencia-nacional-manuela-carmena-ayuntamiento-de-madrid-libertad-sin-cargos-para-los-artistas-de-t%C3%ADteres-desde-abajo

2. Falls Ihr auf Facebook seid, tretet dieser Gruppe bei:

https://www.facebook.com/Libertad-Titiriteros-185826508446833/?fref=ts

3. Die Presse und lokale Politiker lassen die Puppenspieler wie Radikale erscheinen und ziehen deren Handlungen aus dem Kontext. Die internationale Puppenspieler-Gemeinschaft kann Videos, Photos, Erklärungen über die traditionelle Handpuppenspielkunst online posten mit dem Hashtag #‎libertadTitiriteros  and es an eventuelle spanische Freunde senden, so dass dieses es verbreiten können und die spanische Gesellschaft erkennt, dass Don Crystobal Teil einer weltweiten, Jahrhunderte alten Tradition ist. Dies könnte den Puppenspielern helfen. Weitere Hilfen könnten sein:
4.) Unterstützerbriefe und Interviews von Künstlern, Puppenspielern etc.
5.) Videos oder Dokumente von anderen Puppen diesen Schlags, die ähnliche Szenen spielen.

Dies ist die Mailadresse, an die ihr all dies senden könnt:
libertadtitiriteros@gmail.com

aus der UNIMA-Geschäftsstelle

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