Nachruf auf Hans Hartvich-Madsen

Hans Hartvich-Madsen (geb. 1945) ist kurz nach seinem 73. Geburtstag in Tallin, Estland, gestorben, wo er während der letzten Wochen im Koma gelegen hat, bevor er am 17. April 2018 »seine Reise zu dem ganz großen Schauspielhaus angetreten hat, – nämlich dorthin, wo alle guten Geschichten geschrieben werden und wo sich phantastische Menschen treffen«, wie sein Sohn, Nikolaj Tring Christensen, so wunderschön in seinem Abschiedsbrief auf Facebook schrieb.

Es ist ein langes, dynamisches und künstlerisch komplexes Leben, das somit in Tallin endet, wo er die letzten Jahren gelebt und gearbeitet hat, zusammen mit seiner estnischen Frau und künstlerischen Partnerin, Külli Palmsaar, die dort ihr eigenes Theater hat und die übrigens oft nach Dänemark reiste. Trotz der geographischen Distanzen fungierte er bis zum letzten Jahr als engagierter und vieljähriger Vorstand für die UNIMA Danmark. In der Tat ist das Puppentheater der große Dreh- und Angelpunkt seines weitreichenden Theaterschaffens gewesen, und ein großer Teil dieses Schaffens galt dem Kindertheater.

Es ging los in den 60er-Jahren, als er nach einigen Jahren des Literaturstu­diums an der Kopenhagener Universität Regisseur und Techniker am damaligen Comediehuset [»Komödienhaus«, ehemaliges Theater 1965–1985 im Stadtkern] in Kopenhagen, bei der Dronningemøllerevyen [»Königin-Mühlen-Revue«] und bei Det Ny Skala [»Neue Scala«, Theater im Nørrebro-Stadtteil/Kopenhagen mit heutigem Namen Nørrebro Teater] wurde, bevor ein befristeter Technikerjob am Riddersen (Theater in Kopenhagen) in eine langwährende Stellung (1972–1985) als Techniker, Administrator und Instruktor am Riddersalen [»Rittersaal«]/Jytte Abilstrøms Theater umgewandelt wurde. Es ist auch in dieser Zeit, wo er auf einem ironischen (legendären) Foto auf der Treppe des Kultusministeriums auftritt, wo er mit Jesper Jensen und Klaus Rifberg u. a. sitzt und Haschischpfeife raucht – bei einer Demonstra­tion gegen Einsparungen in der Kulturpolitik.

Seitdem wurde er u. a. Leiter (1986–1994) des Theaters »Københavneren« [»Der Kopenhagener«] – jetzt Kaleidoskop genannt –, des weiteren Mitbegründer, künstlerischer Leiter und Theaterchef des Thy Theaters in Hanstholm (1994–2009), wo es ihm auch gelang, eine stark nachgefragte (aber mittlerweile leider wieder geschlossene) Puppenmacher-Grundausbildung zu begründen, der viele gegenwärtige Schauspieler des dänischen Kindertheaters ihr Können und ihre Fertigkeiten verdanken. Nach der Leitung des Thy Theaters wurde er für einige Spielzeiten Leiter und Lehrer an der Abteilung für Animation und Puppentheater (des Entwicklungszentrums für Szenekunst) in Oddsherred, bis auch dieser Ausbildungszweig geschlossen wurde. Danach bekam seine praktische Theaterarbeit eine internationale Orientierung mit Basis in Tallin als Folge seines Treffens und seiner späteren Heirat mit Külli Palmsaar. Auf organisatorischem Niveau war Hans Hartvich-Madsen aktiv im BørneTeaterSammenslutningen (BTS) [»Kindertheater-Verband«], wo er u. a. bekannt wurde für seine sehr ereignisreichen und phantasievollen Exkursionen in Verbindung mit den Generalversammlungen des BTS; aber ganz besonders hat er sich verdient gemacht als Vorstand der dänischen Abteilung der internationalen Organisation für Puppen- und Animationstheater, indem er 2000–2017 Vorstand von UNIMA Danmark war und auch verschiedene Posten im internationalen Teil der Organisation innehatte. Neben seiner umfangreichen Karriere wird man sich an Hans Hartvich-Madsen auch seine wunderbare Gesellschaft erinnern, stets voll von Geschichten, Anekdoten und Wissen, die und das er von Herzen gern mit anderen teilte.

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