Meinungen und Kommentare

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Die Puppenstars 2016/17  (Stand Juni 2016)

Nach der in der Szene nicht unumstrittenden ersten Staffel von „Die Puppenstars“ auf RTL sind die Macher nun wieder auf der Suche nach Puppenspielern aus allen Bereichen und jeden Alters. Ob Amateur oder Profi, jung oder junggeblieben, einer oder viele, Körperspiel, Klappmaul oder Kakautzky: Wer jemanden kennt, der durch sein außergewöhnliches Puppenspiel perfekt in diese Sendung passen würde wendet sich an:
puppenstars@talpa-germany.tv
Telefon 030 / 814 92 220
www.puppenstars.tv

Wir würden uns – falls jemand teilnimmt – über Erfahrungsberichte freuen.
Die UNIMA inkl. DaT Redaktion

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Die RTL-Show „Die Puppenstars“ hat viele Puppentheater-Aktive enttäuscht.
(Stand Februar 2016)

Dr. Olaf Bernstengel schreibt dazu:

Offener Brief an Annette Dabs, Leiterin des Deutschen Forms für Figurentheater und Puppenspielkunst, Vize-Präsidentin der UNIMA und Leiterin der FIDENA

Dresden, den 24. Februar 2016

Liebe Annette Dabs,

können Sie eigentlich noch ruhig auf Ihrem Chefsessel als Vizepräsidentin der UNIMA, als Leiterin des dfp und als Chefin der FIDENA sitzen nach diesem Schlag, den das RTL gegen das Puppentheater geschleudert hat. Ich lobe mir das alte, aber inhaltsreiche Kaspertheater an Stelle des unsäglichen Klappmaulgezappels, des Verwursteln von Talent und Dressur, des aufgeblasenen Spiels in großer Pomp Kulisse vor einer inkompetenten, unsachlichen Jury, die über die Worte „poetisch“, „hübsch“, „zu wenig Puppe“ nicht hinauskam und dazu noch von einer zotigen Kakerlake attackiert wurde. Schönen Gruß an das Dschungelcamp!

Nein, diese Sendung diskreditierte das Puppentheatergeschehen, seine Entwicklung in den letzten 5o Jahren auf das Gröbste. Wie kann ein Teilnehmer oder war es nicht sogar ein Jurymitglied (?) sagen: „Es kann jeder Puppenspieler sein, außer, es wurden seine Arme amputiert.“ Ja, Herrgott warum haben wir eine Hochschulausbildung? Das Publikum klatscht und jubelt auch so. Warum entdecken wir immer neue Stoffe für das Puppentheater, haben Ensembletheater, die ein Publikum mit wenigstens 30 x 3 Minuten unterhalten können? Wie können Sie für einen drei Minuten Wettbewerb einer darstellenden Kunst plädieren, der für andere darstellende Künste mit Recht unmöglich ist? In dem Sie diese Form des Wettbewerbs im Interview vom 6.9.2015 mit Bodo Schulte befürworten, stoßen Sie unsere Arbeit mehrheitlich auf billige Unterhaltung zurück. Konnten Sie wirklich nicht ahnen, was gerade im RTL passiert?

Mit Ihrer Unterstützung und Ihren großen Hoffnungen, der RTL werde die Bandbreite eines künstlerischen Puppenspiels unter dem Schirm von Entertainment zeigen, haben Sie der Puppenspielkunst wahrlich einen Bärendienst erwiesen! Die Presse hat das „Ereignis“ nach meinen Kenntnissen glücklicherweise totgeschwiegen. Mit Recht.

Aber wir Puppenspieler können das nicht, denn es missachtet unsere Arbeit, treibt uns die Schamröte ins Gesicht!Dennoch kritisiere ich nicht RTL und oder die inkompetente Jury, die drei Namen habe ich schon wieder vergessen, sondern kritisiere Ihre Haltung als eine Wortführerin des nationalen und internationalen Puppenspiels!

Mit freundlichen Grüßen!

Dr. Olaf Bernstengel, Theaterwissenschaftler und Marionettenspieler

Christian Fuchs schreibt dazu

Entgegnung auf den „Offenen Brief“ von Dr. Olaf Bernstengel

Lieber Dr. Olaf Bernstengel,

zu Ihren Gunsten nehme ich mal an, Sie wollten mit Ihrer Suada eine Diskusssion über die RTL-Show „Die Puppenstars“ anzetteln? Hier haben Sie. Widerrede. Aber in der Tonlage, die Sie anstimmen. Der persönlichen nämlich.
Was mir an Ihrem Klagelied am meisten auffällt, ist die Vergrößerung von Annette Dabs ins Titanische. Ihre mater dolorosa des Puppenspiels rufen Sie enttäuscht um Lösung des Problems an. „… als eine Wortführerin des nationalen und internationalen Puppenspiels!“ Nach Ihrer Sicht der Dinge hätte sie allein dem mächtigen Fernsehkonzern das Handwerk legen können. Wie Teja in der Schlussszene von Felix Dahns „Kampf um Rom“ sahen Sie Annette Dabs in der Felsschlucht des Vesuv stehen, mit ihrem Schild die verängstigten Puppenspieler-Szene deckend – und sie hat versagt.
Nun, ich meine: so einfach ist es nicht.
Nicht mehr.
Und in meiner Sicht der Dinge war es noch nie irgendwie einfach.
Was Annnette Dabs angetrieben hat, kann ich persönlich gut nachvollziehen, aber es interessiert hier nicht. In der Sache bin ich mir nämlich sicher, dass die Show auch ohne Frau Dabs so stattgefunden hätte, wie sie stattfand.
Die entscheidende Frage ist für mich also: was hätten Sie daran ändern können? Wo waren Sie, als es darum ging, der Show den bessern Dreh zu geben?
Verantwortliche Mitwirkung jedes Einzelnen, und damit komme ich zum entscheidenden Punkt, ist nämlich die Antwort auf eine immer unübersichlich werdendere Welt.
Und das rufe ich jetzt auch mal laut in den hinteren Teil von Sachsen: es gibt keinen großen starken August mehr, der mit einem mächtigen Griff ein Problem – allein das Wort: – lösen kann. Die große Bundeskanzlerein, die allein durch ihren Unwillen Probleme hervorruft, die gibt es auch nicht.
Wer so denkt, dem steckt das Ancien Régime noch im Kopf.
Nein, was es gibt, das sind lauter kleine Schritte, lauter Leute, die ihr Gesicht hinhalten, die hinfallen, die wieder aufstehen, die am Ende des Tages vielleicht nur sagen können „Ich habe es versucht.“, aber die sich einbringen. Und die danach auch wissen, wie verdammt kompliziert es ist, nur ein kleines Ding auf dieser Welt verändernd zu gestalten. Die es auch aushalten, dass ihnen bei einem Erfolg alle auf die Schulter klopfen, und dass bei einem Misserfolg die identischen Leute plärren: „Das hab ich gleich gewusst!“ und einen a posteriori mit Verbesserungsvorschlägen angehen.
Zusammenfassend: die Phrase: „Das musste mal gesagt werden.“ hat eine sehr viel anstrengender Schwesterformulierung: „Da muss ich mich jetzt mal selber drum kümmern.“
Sicher wollen Sie, lieber Dr. Bernstengel, jetzt wissen, wie mir schließlich die Show gefallen oder nicht gefallen hat. Und ich sage: Ich habe nichts für die Show unternommen. Ich habe nichts gegen sie unternommen. Also nehme ich sie wie’s Wetter: zu dem habe ich immer eine dezidierte Meinung, aber ich beschwere mich – nie.

Mit kollegialen Grüßen
Christian Fuchs

Annette Dabs entgegnet

Antwort von Annette Dabs, Leiterin des Deutschen Forums für Figurentheater und Puppenspielkunst in Bochum

Lieber Herr Dr. Bernstengel,
ruhig sitze ich eigentlich eher selten. Aber ich kann Ihre Empörung ja nachvollziehen und gebe Ihnen mit dem, was Sie aufregt, recht. Allerdings habe ich die Gründe für meinen Versuch, bei der Konzipierung und Umsetzung des neuen Formats das Schlimmste zu verhindern und die kleine Chance zu nutzen, dass wenigstens einige gute Puppenspieler unsere Zunft dort vertreten können, bereits im Vorhinein und auch danach immer wieder erklärt. Dass das Casting und die Sendung sowieso stattgefunden hätten, war abzusehen. Ich hatte in der Tat die Hoffnung, dass die Produktionsfirma, die auch das Format „Sing meinen Song“ verantwortet (das ich gern gesehen habe), etwas wesentlich Qualitätvolleres zustande bringt. Wir haben das Ergebnis, also die ausgestrahlten Sendungen, auf unserer Facebookseite zur Diskussion gestellt und ich habe meine (ebenfalls äußerst negative) Meinung zu den Sendungen in meinem Profil und in Kommentaren bereits geäußert. Die Diskussion im Facebook fand rege statt, hat sich dann aber genauso schnell totgelaufen wie das Format selbst. Zum Glück. Daher wollte ich sie auch nicht mehr aufleben lassen.

Mit freundlichen Grüßen
Annette Dabs

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